Montaña Palcoyo
Mittwoch, 6. März
Ein toller Ort, um in Peru wandern zu gehen, ist die Umgebung von Cusco. Dort gibt es unzählige Berge, Lagunen, Gesteinsformationen und atemberaubende Landschaften. Da wir keine Zeit für eine lange Wandertour hatten, unternahmen wir einige Tagestouren zu verschiedenen Orten. Für dieses Wochenende hatten wir uns eine geführte Tour zum Palcoyo-Berg gebucht.
Das Gebiet der Anden um Cusco ist so groß und bergig, dass viele der schönsten Orte und Berge nicht an das Straßennetz angebunden sind und nur schwer erreichbar sind. Mit dem Ausbau der Straßennetze in den Anden werden immer mehr dieser Orte zugänglich. Touranbieter in Cusco passen ihr Angebot an peruanische und internationale Touristen dementsprechend an und bieten immer wieder neue Touren zu bisher nur schlecht zugänglichen Orten in den Anden an. Vor einigen Jahren begannen die Touranbieter, den „Rainbow Mountain“ zu bewerben. Der eigentliche Name des Berges „Vinicunca“ wurde durch den viel plakativeren Namen Rainbow Mountain ausgetauscht, um möglichst viele Touristen dafür zu begeistern. Seinen neuen Namen bekam der Berg, da er aufgrund verschiedener Mineralien im Boden aus bunten Gesteinsstreifen besteht und tatsächlich sehr besonders aussieht. Dieses neue Ziel kam bei den Touristen so gut an, dass immer mehr Tourbusse täglich den Berg erreichten. Der Andrang wurde so groß, dass 2023 täglich ca. 2000 Touristen zum Berg gefahren wurden. Der eigentlich schön gelegene Berg inmitten der Anden war nun voller Imbissbuden, Kiosken, Souvenirhändlern und einfach vollkommen überlaufen von Touristen.
Als Christoph und ich unsere Reise nach Peru planten war klar, dass wir nicht Teil dieser Touristenmasse sein möchten. Wir recherchierten ein wenig (auf Spanisch) im Internet und fanden heraus, dass es in der Region noch viele weitere solcher bunt gestreifter Berge gab, die genauso schön, aber nicht so bekannt waren. In Cusco fanden wir eine der wenigen Touren, die zur Montaña Palcoyo fuhr — einer Alternative zum überlaufenen Rainbow Mountain. Als der Tag gekommen war, trafen wir uns früh morgens mit unserem Guide und dem Rest der Gruppe und fuhren einige Stunden in das Umland Cuscos. Die Fahrt führte uns durch die grünsten Wiesen, die ich je gesehen hatte, vorbei an abgelegenen Dörfern und Hügeln, auf denen wilde Lamaherden grasten. Schon die Fahrt alleine war wunderschön und obwohl ich schon viel in der Region um Cusco unterwegs war, hatte ich das Gefühl, noch nie so tief in den Anden gewesen zu sein. Die Berge um uns herum hatten plötzlich die verschiedensten Farben. Hellgrün, dunkelgrün, bläulich schimmern und dann plötzlich ein tiefes dunkelrot. Auf der gesamten Fahrt begegneten wir keinem anderen Bus und wir schienen die einzigen zu sein, die dort unterwegs waren. Schließlich parkte der Bus auf einer Kiesebene, wir stiegen aus und wanderten los. Die Wanderung selbst war nicht sehr anspruchsvoll, das anspruchsvolle war nur, dass schon der Parkplatz auf knapp 5000 Meter lag und so jede körperliche Anstrengung durch die Höhe noch viel anstrengender war. Wir folgten langsam dem Pfad hinauf in die Berge und konnten kaum fassen, wie wunderschön die Berge um uns herum aussahen. Am höchsten Punkt der Wanderung, auf fast 5000 Metern angekommen, bot sich uns das schönste Panorama aus Bergketten in verschiedenen Farben, schneebedeckten Gipfeln in der Ferne und grünen Wiesen. Besonders toll war es auch, dass unsere Gruppe, bestehend aus ca. 10 Personen, die einzige am ganzen Berg war. Diese Wanderung war auf jeden Fall eine der schönsten, die wir je gemacht hatten!