Cholitas
Donnerstag, 14. März
In Bolivien und in La Paz ist die indigene Bevölkerung sehr present. Besonders die „Cholitas“, die indigenen Frauen, sieht man häufig in der Stadt. Durch ihre traditionelle Kleidung sind sie leicht zu erkennen.
Meist tragen die Cholitas mehrere Schichten Röcke, ein gestricktes Oberteil oder Schultertuch und einen schlichten, aber sehr hohen Hut, den sie häufig mit Schmuck und Broschen verzieren. Außerdem typisch sind die langen, geflochtenen Zöpfe, die den Cholitas über den Rücken hängen. Während man in der Stadt Cusco das Gefühl hat, dass die Leute, die traditionelle Kleidung tragen dies nur tun, um für ein Foto mit den Touristen zu posieren, ist es in Bolivien auch abseits der Touristen viel üblicher und wirkt natürlicher.
Die Kleidung und die Selbstbezeichnung „Cholita“ sind ein Ausdruck von Stolz der Indigenen über ihre Herkunft und Kultur. Der Begriff „Cholo/a“ wurde ursprünglich sehr abwertend für die indigene Bevölkerung verwendet, die leider bis heute in vielen lateinamerikanischen Ländern diskriminiert wird und Indigene häufig als Menschen zweiter Klasse gesehen werden. Die „Cholitas“ begannen dann aber, den Begriff für sich zurückzuerobern und schafften es somit, diesen beleidigende Begriff umzudeuten. Die „Cholitas“ und ihre Kleidung stehen heute für Stolz, Vielfalt und den Erhalt der Kultur der indigenen Völker. Inzwischen gibt es viele Initiativen von mutigen, indigenen Frauen, die lange aufgrund des Frau seins und Indigen sein, diskriminiert wurden und sich dies nun nicht mehr gefallen lassen. Die „Cholitas Escaladoras Bolivianas“ beispielsweise sind eine Gruppe von Aymara-Frauen, die es irgendwann satt hatten, dass nur den Männern im Dorf zugetraut wurde, Bergsteigetouren zu unternehmen und die schneebedeckten Berge der Anden zu besteigen. So schlossen sie sich zu ihrer eigenen Bergsteigergruppe zusammen, bildeten sich weiter im Bereich des Bergsteigens und leiten inzwischen selbst Bergsteigetouren auf die höchsten Gipfel des Landes. Und alles in ihrer traditionellen Kleidung.
Die „Cholitas luchadoras“ sind eine Gruppe indigenen Frauen in Bolivien, die sich für den Wrestling Sport begeistern und regelmäßig öffentliche Wrestling-Shows veranstalten. Auch in diesem Fall: natürlich in ihren traditionellen Röcken, Oberteilen und Schultertüchern.
Oder die Gruppe „Imillaskate“ — ein Zusammenschluss jüngerer indigener Frauen (laut eigener Internetseite die Töchter und Enkeltöchter der Cholitas), deren Passion das Skaten ist. Wie auch bei den anderen genannten Projekten stehen hier die Frauen selbstverständlich im traditionellen „Pollera“ (dem Rock aus vielen Schichten Stoff) und mit Hut auf dem Skateboard.
Obwohl die indigene Bevölkerung Boliviens (und die anderer Länder Lateinamerikas) auch heute noch täglich diskriminiert wird, machen Initiativen und Projekte wie die der „Cholitas Escaladoras“ Hoffnung aus Besserung.