Perito Moreno
Sonntag, 7. April
Am nächsten Tag buchten wir uns im Ort „El Calafate“ eine Tagestour, die uns zum berühmten „Perito Moreno“ Gletscher bringen sollte. Der Gletscher war einer der Gründe weshalb wir uns entschieden hatten, den Süden Patagoniens zu besuchen.
Am Tag der Tour wurden wir mit einem kleinen Bus an unserem Hotel abgeholt und gemeinsam mit einigen anderen Touristen fuhren wir knappe zwei Stunden durch Patagonien. Die Fahrt alleine war wunderschön, da wir an den schönsten Steppenlandschaften, Türkisen Seen und wilden Alpakaherden vorbeifuhren. Währenddessen erklärte unser argentinischer Guide uns alles über diesen Teil Patagoniens, die Landschaft hier und über den Gletscher, den wir besuchen würden.
Angekommen am Parkplatz hatten wir einige Stunden Zeit, uns selbstständig den Gletscher und die Umgebung anzuschauen. Vom Parkplatz ab führten zwischen den vielen Bäumen einige Treppen den Hang hinunter. Unten angekommen befand man sich auf der Aussichtsplattform gegenüber des Gletschers. Vor uns lag das graue Gewässer, auf dem unzählige Eisschollen schwammen und aus dem der riesige Gletscher hervorragte. So weit man sehen konnte, war Gletscher, der eine überraschend intensive hellblaue Farbe hatte. Obwohl wir auf der Hinfahrt zum Gletscher von unserem Guide viele Fakten über den Ort und den Gletscher erfahren hatten, war es von der Aussichtsplattform unmöglich, die Größe und Weite des Eises einzuschätzen. Von unserem Guide wussten wir, dass die Fläche des Gletschers größer war, als die gesamte Fläche der Millionenstadt Buenos Aires (Buenos Aires: 203 km², Gletscher: 250 km²). Nicht nur die Ausdehnung war als Besucher:in schwierig einzuschätzen, auch die Höhe des Eises über dem Wasser war unglaublich. Der Perito Moreno Gletscher ragt zwischen 40 und 70 Metern in die Luft, und das ist nur der Teil des Gletschers, der über dem Wasser liegt. Unter der Wasseroberfläche ist das Eis sogar noch länger.
Wir verbrachten einige Stunden damit, auf den verschiedenen befestigten Wegen am Gletscher vorbei zu laufen und die Natur zu genießen. In Patagonien war es im April Herbst, wodurch viele der Bäume orange-rot gefärbte Blätter hatten. Überraschend war für uns auch, wie laut der Gletscher war. Während wir erwartet hatten, dass der riesige Eisblock still vor sich im Wasser herschwimmt, war ständig lautes Knarzen und Knallen zu hören. Man hörte deutlich, dass der Gletscher aktiv arbeitete, und immer wieder Eis zerbrach und mit lautem Dröhnen und Knallen ins Wasser unterhalb des Gletschers fiel. Zum Glück hat dieses Abbrechen hier beim Perito Moreno Gletscher nichts mit dem Klimawandel zu tun und ist kein Grund zur Sorge: der Perito Moreno Gletscher ist einer der wenigen Gletscher weltweit, die jährlich wachsen anstatt zu schmelzen. Der Gletscher wächst von hinten, der Bergseite, nach und schiebt die Eismassen immer weiter nach vorne in Richtung Besucherseite. Alle paar Jahre ist der Gletscher dann so groß, dass er die gesamte Länge des Sees einnimmt, bis das Wasser schließlich Hohlräume in das Eis spült und der Gletscher zerbricht. Die Eisschollen werden dann auf den See gespült und verteilt — der Perito Moreno Hauptgletscher fängt dann über Jahre hinweg wieder an, von hinten langsam nach vorne zu wachsen. Mit unserem Besuch hatten wir großes Glück und der Gletscher war zu diesem Zeitpunkt schon sehr weit nach vorne gewachsen und damit gut von den Besucherterrassen zu sehen.
Der Besuch beim Perito Moreno Gletscher war durch die riesigen Eismassen, die Geräusche und die wunderschöne umliegende Natur ein wirklich unvergesslicher Trip!