Laguna Congelada
Samstag, 17. Februar
Die zweite Tour, die wir in Huaraz machten, hatten wir auch bei dem Touranbieter gebucht, mit dem wir die erste Wanderung gemacht hatten. Wir waren sehr zufrieden und buchten daher nochmal eine Tagestour zu einem anderen Ziel.
Eigentlich hätte es für uns an diesem Tag bis auf 5000 Meter hinauf zu einem Felsen und Mini-Gletscher gehen sollen. Dieser Trip war zwar keine richtige Wanderung, da man mit dem Bus direkt bis zum Ziel in den Bergen fährt und dann nur noch einige hundert Meter laufen muss. Wir waren aber trotzdem einfach neugierig, wie es wohl sein würde, sich überhaupt auf 5000 Metern zu befinden. Am Tag der Tour standen wir also wieder um 05.00 Uhr morgens vor unserer Wohnung in Huaraz, bereit abgeholt zu werden. Die Minuten verstrichen und nachdem wir 15 Minuten gewartet hatten, schrieb ich den Touranbieter auf WhatsApp an und fragte nach. Einige Nachrichten und ein Telefonat später war klar: der Fahrer hatte vergessen uns abzuholen und der Bus war nun ohne uns auf dem Weg in den Nationalpark.
Der Inhaber des Touranbieters, mit dem ich telefoniert hatte, kam kurze Zeit später mit seinem privaten Auto zu unserer Wohnung um uns abzuholen. Er entschuldigte sich mehrfach bei uns und schimpfte über seinen Fahrer. Wir waren ganz gelassen, da wir an der Situation ja sowieso nichts mehr ändern konnten. Noch während wir im Auto saßen, bekam der Inhaber einen Anruf und fing an zu fluchen. Es stellte sich dann heraus, dass der Fahrer uns nicht vergessen hatte, sondern an diesem Morgen zwei andere „Gringos“ (= weiße Touristen), die an der Straße standen, mitgenommen hatte. Dabei hatte der Fahrer leider vergessen, diese nach ihren Namen zu fragen und verließ sich einfach darauf, dass dies schon die richtigen Gringos sein würden. Da auch das Gringo-Pärchen leider nicht nochmal nachgefragt hatte, ob dies denn auch die richtige Tour sei, fiel dieser Irrtum erst eine Stunde später auf, als der Bus (mit dem falschen Gringo-Pärchen an Bord) schon längst mitten in den Bergen war. Das Lustige daran war, dass das Pärchen bei einem ganz anderen Touranbieter eine ganze andere Tagestour gebucht hatte, sich schließlich in einem falschen Bus zum falschen Ziel befand und es zu diesem Zeitpunkt kein zurück mehr gab. Weil der Bus schon zu weit gefahren war, konnte dieser nicht mehr für uns umkehren und so war klar, dass die von uns geplante Tour für uns nicht stattfinden würde.
Unser sehr engagierter Touranbieter bot uns daraufhin an, bei einer Alternativ-Tour am selben Tag teilzunehmen, die wenige Minuten später (inzwischen war es 06.30 Uhr) starten sollte. Diese Tour war laut unserem Touranbieter eine Wanderung, die sie ganz neu im Programm hatten und bisher nur an Locals, also Peruaner:innen und nicht an Touristen, verkaufen würden. Er erzählte etwas von einer ganz besonderen Lagune in den Anden, die schwer erreichbar wäre und wir stimmten zu, ohne mehr darüber zu wissen. Wir stiegen in den Bus, sagten den anderen Peruaner:innen freundlich hallo und freuten uns insgeheim auf das Abenteuer, das uns erwartete. Der Bus fuhr mehrere Stunden zum Nationalpark, bog dann aber ganz anders ab als bei unserer letzten Wanderung und fuhr nochmal einige Stunden weiter immer höher und höher in die Berge hinauf. Wir fuhren auf schmalen Straßen und die letzten Stunden auf den kleinsten Schotterpisten durch den Nationalpark, bis wir endlich an einem kleinen Parkplatz ankamen. Umgeben von schneebedeckten Gipfeln stiegen wir aus und merkten an der Luft, der Anstrengung und des leichten Schwindelgefühles gleich, dass wir sehr hoch sein mussten. Vom Parkplatz waren es nur einige hundert Meter, bis man die Lagune vor sich liegen sah. Wir befanden uns inzwischen auf 4550 Metern Höhe und wanderten auf einem schmalen Pfad ein Stück um die Lagune herum, um einen noch besseren Blick zu bekommen. Die Lagune und die Umgebung war eine der schönsten, die wir je gesehen hatten und in der heißen Andensonne leuchtete die Lagune türkis-blau. Während Christoph ein wenig die Laguna bewunderte, folgte ich noch eine halbe Stunde weiter der Weg den Berg hinauf und erreichte einen zweiten kleinen See, ein Gletschersee, auf dem tatsächlich die Eisschollen schwammen. Da ich vorher noch nie einen Gletscher gesehen hatte, war dieser Anblick einfach unglaublich und ich konnte unser Glück im Unglück kaum fassen, durch Zufall heute dort gelandet zu sein! Wir verbachten noch einige Stunden an der Lagune und hatten ganz unverhofft einen wunderschönen Tag.